Tagebau Hambach

Im vorigen Beitrag stellte ich das romantische Wasserschloss Paffendorf an der finsteren Erft vor. Man hat übrigens begonnen, sie zu renaturieren (s. Erftverband), aber es soll bis 2045 dauern … Warum so lange, ist kein Geheimnis. Es sind nicht nur Kostengründe, sondern vor allem: die Erft wird gebraucht. So lange es in dieser Gegend den Braunkohlentagebau gibt, so lange wird das Grundwasser in die Erft abgepumpt.

Und diesen enormen Eingriff in die Landschaft und in das Leben vieler Menschen (Umsiedlung von Dörfern) wollten wir uns mit eigenen Augen angucken, den Tagebau Hambach, den größten von dreien zwischen Köln und Aachen.

Eine düstere Wolke über dem nahe gelegenen Braunkohlekraftwerk …

Braunkohlekraftwerk

Ausschilderung zur Terra Nova, einem ‘Eventzentrum’. (Schrieb ich schon mal, dass ich den Begriff ‘Event’ nicht ausstehen kann?) Eine Mondlandschaft wird nicht schöner, wenn man an ihrem Rand Liegestühle ‘mit Aussicht ins Loch’ aufstellt. Dabei sah es erst mal gar nicht sooo schlimm aus, zumal sich die Sonne gerade anschickte, unterzugehen und sich ein dunstiges orange-goldenes Licht übers Land legte. In unendlich erscheinenden Terrassen ging es tiefer und tiefer.

Braunkohletagebau Hambach

Wir fuhren weiter zu anderen Aussichtspunkten. Rechts ragten immer wieder Rohrstutzen aus dem Boden, links oben auf der Böschung standen dünne Rohre mit Düsen, die ganz feinen Wassernebel versprühten, wahrscheinlich um Feinstaub zu binden. Es zischelte leise, als wir die Stufen zum Ausguck hoch stiegen. Und da lag der ganze Tagebau vor uns … eine unendlich erscheinende terrassenartige Mondlandschaft breitete sich nach rechts und links aus – in der Mitte das relativ schmale schwarze Band des offen zutage liegenden Braunkohlenflözes, mitten darin der größte Bagger der Welt mit funkelnden Lichtern, und einige ‘Absetzer‘, von oben alles sehr klein ausehend. Ich mag nicht nach Worten suchen, sollen die Bilder für sich sprechen … (vergrößern durch Anklicken):

Meine Fotos geben nur einen schwachen Abglanz des Gesehenen wider, hier gibt es bessere.

Sonnenuntergang über Hambach

Sonnenuntergang über dem Tagebau Hambach

Was machen die da eigentlich? Und was kommt danach?

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Schloss Paffendorf – Wasserschloss an der Erft

Dieser Ausflug war der erste Teil einer zweiteiligen interessanten und beeindruckenden, aber letztlich auch deprimierenden Besichtigungstour. Die Erftniederung westlich von Köln wird von uns selten aufgesucht, aber es gibt da etwas, was wir einmal gesehen haben wollten. Wir nahmen die Regionalbahn, von deren Haltestelle es nur ‘ein paar Schritte’ bis zum backsteinernen, so typisch niederrheinischen Wasserschloss waren, ein ganz bezauberndes Ensemble, das mich mit seinen Spiegelungen völlig in seinen Bann zog.

Schloss Paffendorf Schloss Paffendorf
Leider ist die kostenlose Ausstellung der RWE-Power an Wochentagen nicht offen.

(Alle Fotos durch Anklicken größer.)

Aber wahrscheinlich hätte ich mich sowieso nicht darauf einlassen können, denn die Spiegelungen im Wassergraben waren zu schön. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn ein Wassermann mit Dreizack oder eine Nixe aufgetaucht wären.

Der Schlosspark mit altem Baumbestand und einem Teich, u.a. von Weiden gesäumt, deren Zweige bis ins Wasser hingen, wurde von uns einmal umrundet.

Im Garten von Schloss Paffendorf

Im Garten von Schloss Paffendorf

An einer Seite wird er durch das Flüsschen Erft begrenzt und nun bekam die Idylle einen Sprung: die schnurgerade Erft wirkt hier dunkel und ihre enorm hohe Fließgeschwindigkeit ist Beweis, dass sie kein natürlicher Fluss mehr ist. Sie wirkt unheimlich; hinten rechts scheint auch jemand erschreckt zu sein. (Die Mauer hat ein Gesicht)

Die Erft bei Schloss Paffendorf

Die Erft bei Schloss Paffendorf

Bevor wir unsere Wanderung starteten (die nicht weiter erwähnenswert ist), wollten wir uns stärken. Schließlich gibt es da eine Gelegenheit. Schon von Weitem dröhnte uns Musik entgegen, für die selbst wir uns zu alt fühlten: Tanztee mit DJ XYZ. Ich enthalte mich weiterer Äußerungen … Wären wir doch bloß gegangen! Statt dessen haben wir uns draußen niedergelassen, leider immer noch beschallt, aber mit schönem Blick aufs Schloss.

Schloss Paffendorf

Von der Kürbissuppe schmeckte man nur Schärfe; mein Flammkuchen war matschig, nur außen knusprig (Mikrowelle?) und als dann die Bedienung trotz meines demonstrativ zermanschten Essens (kaum was angerührt), fragte: Hat’s geschmeckt? hat sie  eine ehrliche Antwort bekommen !! Der Flammkuchen wurde mir dann fairerweise nicht berechnet.

Auch die Wanderung, teilweise an der Erft entlang, hätten wir uns sparen können: der finstere Fluss, hässliche Orte … Aber es gibt Dinge, die man mal gesehen haben muss …

Strommasten

Was das Ganze mit diesem Foto zu tun hat, wird mancher schon ahnen. Ihr erfahrt es im zweiten Teil.

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Kleine Moseltour Mitte September

Wer hätte gedacht, dass es eine Tour der Gegensätze würde! Schon lange wollten wir wieder mal eine Rucksacktour mit Übernachtung machen, sehen, mit wie wenig man auskommen kann, reisen und wandern mit leichtem Gepäck. Der Wetterbericht hatte nur Gutes zu vermelden, das Hotelzimmer war gebucht, die Strecke ausgearbeitet, Bahn und Wanderung.

Dass es eine lange Fahrt würde, die normalerweise kein Mensch mit der Bahn macht, war uns klar. Aber wir haben ja Zeit: zum Bahnhof in Köln, nochmal umsteigen in Koblenz und ankommen ‘in der Pampa’. Die Moselstrecke liegt auf der Höhe, ca. 2 km vom Ort im Moseltal entfernt. Anscheinend wird dieser Bahnhof kaum noch frequentiert; die Unterführung war notdürftig abgestützt. Alles sah ein wenig marode aus.

Haltestelle Ürzig der Regionalbahn von Koblenz

Haltestelle Ürzig der Regionalbahn von Koblenz

Daran störten wir uns einfach nicht, genossen die Sonne und hätten fast ein wenig über die Hitze gestöhnt an diesem wunderschönen Spätsommertag.

In der 'Pampa' zwischen Bahnhof und Ort Ürzig

In der ‘Pampa’ zwischen Bahnhof und Ort Ürzig

Als wir die ersten Häuser von Ürzig erreichten, konnten wir den Blick über das enge Moseltal schweifen lassen, über die Weinhänge mit ihren bekannten Rebsorten; im felsigen Hang ganz in der Ferne die berühmte Ürziger Sonnenuhr.

Blick von den Höhen auf Ürzig und die Mosel

Blick von den Höhen auf Ürzig und die Mosel

Und dann – oh Schreck, oh Schock beim Blick  in die andere Richtung! Die Stelzen der Moselhochbrücke. Dass sie gebaut werden soll, wussten wir, dass sich viele Moselgemeinden gewehrt hatten, auch, aber dass der Bau schon so weit fortgeschritten ist, nicht. Ich bin fassungslos, dass Rheinland-Pfalz nach dem Nürburgring-Desaster wieder so ein Großmannsprojekt durchzieht.

Oh je! Was wird das? Der Hochmoselübergang bei Ürzig

Oh je! Was wird das? Der Hochmoselübergang bei Ürzig

Über die technischen Fragwürdigkeiten bin ich nicht informiert (s. dazu hier), ich gestehe sogar zu, dass die Brücke wahrscheinlich eine Meisterleistung der Ingenieurskunst wird, die Pfeiler sind schlank und verjüngen sich zur Mitte hin – aber: dieser Gigantismus wird die Idylle des Moseltals in diesem Abschnitt für immer zerstören. Sie passt nicht in die Landschaft. Hätte es nicht ein paar Nummern kleiner sein können?!! Hier kann man sehen, wie es am Ende sein wird (zweimal zwei Vergleichsbilder); die offizielle Seite mag ich nicht verlinken (die findet man leicht selber).

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Derart schockiert stiegen wir in die engen Gassen des Moselortes hinunter; auch hier ‘freie Fahrt für freie Bürger’ überall. Gerade wurde für ein bevorstehendes Weinfest (das wir zum Glück nicht erleben würden) fleißig gehämmert und aufgebaut.

Wir erreichten unser Hotel, machten uns frisch, reservierten fürs Abendessen und schauten uns den Ort genauer an. Idyllisch einerseits, aber immer drängte sich die Moselhochbrücke ins Bild. Das Moselufer wurde von Wohnmobilen gesäumt, eines am anderen und ständig kamen neue an. Das Weinfest, die Lust am Event!

Als es Zeit zum Essen war, erlaubten die Temperaturen noch spät draußen auf einer Terrasse oberhalb des Moselufers zu sitzen, gerade recht für meinen Geburtstag. Das Essen war köstlich, die Bedienung aufmerksam und der Abend hätte nicht schöner sein können.

Doch was schrieb ich im am Anfang von Gegensätzen? Zimmer und Bad waren sehr klein, die Nacht unruhig (zu viel gegessen, stickige Luft, Fenster aufgerissen) und plötzlich ein leises Rauschen: Regen. Am nächsten Morgen war es verhangen und diesig und außer dem Wetter entsprach auch das Frühstück nicht ganz unseren Erwartungen.

Wir brachen auf und ich war froh, dass ich trotz der guten Wettervorhersage heimlich die Regenjacken eingepackt hatte. Unterwegs begann es zu nieseln, dann zu regnen und im nächsten Ort waren wir schon ziemlich nass. Abbruch der Wanderung. Schiff weg, Bus weg, also ein Taxi nach Traben-Trarbach zum Bahnhof. Unterbrechung in Winningen, wo das Wetter sich stark gebessert hatte, wir aber leider kein Glück mit dem Essen hatten.

Fazit: schade, dass wir die Wanderung nicht machen konnten, schön, dass der Geburtstagsabend so perfekt war. Man kann eben nicht alles haben.

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