Von Senscheid nach Pomster und zurück

Ich wette, dieses Eifeldörfchen oberhalb von Adenau, in Sichtweite des Nürburgrings, kennt keiner. Es ist nicht mal besonders attraktiv, aber mit der Kamera findet man immer lohnenswerte Motive, überall. Und da wir persönliche Gründe haben, dort hin und wieder vorbei zu schauen, haben wir diesmal eine kleine Rundwanderung ausgesucht. Wir parkten am Ortseingang gleich an der Landstraße und gingen die ‘Hauptstraße’ entlang, am Kapellchen vorbei.

Selbst in diesem Teil der Eifel ist der Frühling angekommen; die Gartentulpen blühen schon im April, ungewöhnlich früh. Das verfallene Haus steht immer noch und auch die Milchkannen will anscheinend keiner (außer mir).

Alle kleinen Fotos können durch Anklicken vergrößert werden.

Eine unbeschreiblich schöne Fernsicht begleitete uns fast die ganze kleine Wanderung über. Leider kann ich den genauen Verlauf nicht einzeichnen, weil wir einfach nach Karte auf nicht markierten Wegen (teils Wirtschaftswege) gewandert sind.

Die markante Bergkuppe auf dem unteren Foto ist der Aremberg, auch hier und hier. Selbst die Ruine der Nürburg und die monströsen Neubauten am Ring dort kann man deutlich erkennen (allerdings nicht auf diesen Fotos).

Eifellandschaft

Blick auf Dankerath und Pomster

Eifellandschaft

Beginn der Rapsblüte in der Eifel

Eifellandschaft

Blick auf den Aremberg in der Ferne

In Pomster waren wir noch nie: ein idyllisches, gepfleges Örtchen …

Im Bogen ging es anschließend Richtung Dankerath und zurück nach Senscheid.

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Schloss Arenfels

Die kleine Wanderung hoch zum Rheinsteig bzw. dem Rheinhöhenweg führte uns an Schloss Arenfels vorbei, dem Wahrzeichen Bad Hönningens, ein Dornröschenschloss wie aus dem Märchen inmitten von Weinbergen. Nur umdrehen sollte man sich nicht, sonst fällt der Blick auf die hässliche Stelzenstraße gegenüber (s. Foto im oben verlinkten Beitrag).

Mit seinen 365 Fenstern, 52 Türen und 12 Türmen wird es oft ‘Schloss des Jahres’ genannt und kann heute für Gesellschaften, Feiern, Firmenpräsentationen etc. genutzt werden.

Schloss Arenfels1258 wurde es in der Rekordzeit von nur einem Jahr auf einem Felsplateau über dem Rhein erbaut. Das war möglich, weil das Material direkt an Ort und Stelle gebrochen wurde. In einer Urkunde der damaligen Zeit wird als Bauherr und Besitzer der ‘Burg Arenvelz’ Gerlach von Isenburg genannt. Diejenigen, die die Burg mit ihrer Hände Arbeit wirklich gebaut haben, werden nicht mal erwähnt und bleiben im Dunkel der Geschichte.

Die Burg diente ursprünglich als Wehrbau und war natürlich viel kleiner als das heutige Schloss. Es gab einen Bergfried, eine Schildmauer, Gräben und einen Ziehbrunnen, der bis zum Grundwasserspiegel des Rheins reichte. Von der damaligen Burg ist heute nur noch der ummauerte Bergfriedsockel übrig.

In der wechselvollen Geschichte der Burg – die trotz vieler Kriege nie zerstört wurde – werden schwedische Truppen ebenso wie ein französischer Marschall genannt.

Schloss ArenfelsIn der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts übernahm nach dem Tode des letzten ‘von Isenburg’ ein Freiherr von der Leyen die Burg. Da sie militärisch nicht mehr genutzt wurde, ließ er sie zu einem dreiflügeligen Schloss im Renaissancestil umbauen. Die wehrhaften Teile wurden entfernt, der Graben zugeschüttet. Heute sind aus dieser Zeit noch vier Torbögen übrig, zwei mit dem Wappen der ‘von der Leyen’ und der Jahreszahl 1672.

Schloss ArenfelsNach dem Wiener Kongress fehlten dem Fürsten die Geldmittel und das Schloss verfiel zusehends. Erst zur Zeit der Rheinromantik, der Schwärmerei für das am Mittelalter, ging es mit dem Schloss wieder aufwärts. Der neue Besitzer Reichsgraf von Westerholt-Gysenberg engagierte den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner, der das Renaissanceschloss eigentlich nur renovieren sollte. Aber Zwirner hatte seine eigenen Vorstellungen und überredete den Grafen zu einer völligen Umgestaltung im neogotischen Stil (1849 bis 1858) nach englischem und mittelalterlich-deutschem Vorbild.

Ein Bergfried mit Zinnenkranz und Helm wurde gebaut, zahlreiche Türmchen an der Fassade angebracht, die dem Schloss heute seinen märchenhaften Anblick verleihen. Auch innen wurde alles komplett umgestaltet und großzügig ausgestattet. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 30.000 Talern stiegen auf über 130.000. Irgendwie kommt mir das bekannt vor ;-)

Der Bauherr selbst – Ludolf Friedrich von Westerholt-Gysenberg – soll gesagt haben: “Um das unwiederbringlich zerstörte Renaissanceschloss wird es schade sein! Nur dass viele Kunst-Banausen das Schloss schön finden, gibt mir etwas Trost.”

Ich oute mich hiermit als Kunstbanausin und kann dem Grafen nur vorhalten, dass auch das Renaissanceschloss nicht ursprünglich war. Die alte Burg ist es, die unwiderbringlich verloren ist.

Schloss Arenfels, Bergfried
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss in der Nähe der Brücke von Remagen tagelang durch amerikanische Artillerie beschossen. Es nahm schweren Schaden: Dächer brannten ab und das Schloss war teilweise einsturzgefährdet. Im März 1945 wurde es an die Amerikaner übergeben. Als diese es nach acht Wochen wieder verließen, war es verschmutzt und geplündert. Die kostbaren Möbel und andere Ausstattungsstücke waren weg.

Zu allem Überfluss wurden 1950/51 auch noch die Waffensammlung und die Bibliothek versteigert. Die 6.500 wertvollen Bücher befinden sich heute im Stadtarchiv Bottrop.

Das Schloss befand und befindet sich zwar in Privatbesitz, aber das Land Rheinland-Pfalz stellte ein Sanierungsprogramm auf und ließ z.B. den Verputz nach altem Vorbild in hellem Ocker wiederherstellen. Heute kann man das Schloss für Feiern mieten oder es aus der Ferne oder bei Wanderungen bewundern.

Schloss Arenfels

Website von Schloss Arenfels

Wikipedia (mit Fotos des früheren Schlosses)

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Bad Breisig / Bad Hönningen / Leubsdorf

Ein Wetter war das gestern! Auf an den Mittelrhein! Und da uns gutes Essen am Herzen liegt ;-) nehmen wir auch Wege auf uns, per Zug, per Schiff und vor allem zu Fuß. Vom Bahnhof Bad Breisig sind es etwa 700 m an der viel befahrenen Hauptstraße entlang, parallel zum Rhein nach Norden. Man sieht ihn aber nicht und wir waren froh, als wir den Lärm hinter uns lassen und das historische Gasthaus betreten konnten: Zum Weißen Ross, links die dunkel getäfelte Stube, rechts eine hellere. Beide sind rustikal eingerichtet und stets geschmackvoll jahreszeitlich dekoriert. Es lohnt sich, auf der Webseite einen näheren Blick in die Gaststuben zu werfen. Außerdem gibt es einen kiesbestreuten Biergarten, in dem wir schon einige Male gesessen haben. Apropos Bier: lecker Andechser aus Bayern, mal kein Kölsch ;-)

Alle kleinen Fotos in diesem Bericht können durch Anklicken vergrößert werden.

Nach einem wieder mal köstlichen Essen überquerten wir die Straße und schlenderten durch eine enge Gasse zum Rhein hinunter. Bad Breisig hat eine kleine, aber feine Promenade mit historischen Häusern, alle mit Einkehrmöglichkeit und Außen-Gastronomie. Weit schweift der Blick den Rhein hinauf und hinunter.

Weiter rheinaufwärts wollten wir die Personenfähre ‘Brisiacum’ (Breisig zu römischer Zeit) nehmen. Wir hätten eine Dreiviertelstunde auf die Überfahrt warten müssen, also gingen wir weiter am Rhein entlang bis zur Autofähre mit dem hübschen Namen Sankta Maria, schmuck in rot-weiß-blau.

Viel zu schnell geht so eine Fahrt vorbei, wenige Minuten nur und man hat das andere Ufer erreicht. Vorher aber gab es noch eine Begegnung mit der ‘MS Seestern’, die ruhig ihren Weg Richtung Süden zog, stromaufwärts. Die Fähre musste ihren Motor drosseln, aber wir kamen sehr nahe am Rheinschiff vorbei. Die ‘Seestern’ hat eine Webseite und ist wohl eines der wenigen Schiffe, die noch privat fahren und nicht einer großen Gesellschaft gehören. Wer will, kann dort einen besonderen Urlaub verbringen und eine Woche mit an Bord sein.

Nun standen wir also am Südende von Bad Hönningen, einem weiteren Kurstädtchen am Rhein, das von Bad Breisig aus gar nicht schön aussieht, weil hässliche ‘moderne’ Bauten und qualmende Betriebe die Idylle stören. – Über den Ort möchte ich nichts schreiben, jeder kann sich selbst ein Urteil bilden. Und: über Geschmack lässt sich DOCH streiten!

Wir waren inzwischen am Ortsrand angekommen, Schloss Arenfels im Blick, dass wir oft von der gegenüberliegenden Seite gesehen hatten (hier im Herbst). Dazu werde ich einen Extra-Beitrag schreiben. Es ging mäßig hoch, auf den Rheinsteig. Das erste Stück Weges durch noch lichten Wald auf breiten Wegen gefiel uns, die Aussichtspunkte enttäuschten uns: einer fast zugewachsen, einer mit einem Gitter versperrt … da gibt es schönere.

Den Rest des Weges fanden wir weder spektakulär noch idyllisch. Es ging runter ins Dörfchen Arienheller, wieder hoch und dann beendeten wir die Tour am Bahnhof von Leubsdorf. Und wie das mit der Bahn so ist … in Troisdorf: “Alle aussteigen!” Der Zug (der eigentlich nah Köln fahren sollte) endete dort wegen der Bauarbeiten auf der Hohenzollernbrücke. Die Fahr’gäste’ sollten auf Durchsagen achten. Als schon längst alle auf dem Nachbarbahnsteig waren, kam sie und empfahl, sich im Internet zu informieren. Leider hatte ich meinen Computer zu Hause gelassen, er passte nicht in den Rucksack. Wie schön, dass die meisten Züge unpünktlich; so kamen wir in den Genuss einer verspäteten S-Bahn, die uns problemlos bis Hauptbahnhof brachte. Dort war die Hölle los: Einkaufsmenschen vermischen sich mit Ausflüglern und die Junggesellinnen waren auch schon da.

Köln Hauptbahnhof

Hbf: In Kölle es immer Fasteloovend

Hier eine Karte, falls jemand sehen will, wo wir gewandert sind – etwa 9 km insgesamt. Empfehlen kann ich die Tour nicht.

Im nächsten Beitrag stelle ich Schloss Arenfels vor.

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