Münstermaifeld

Uns war nach einer kleinen Moselwanderung – das war Anfang Juli, als der Sommer noch angenehm und nicht zu heiß war. Doch zuerst wollten wir uns ein relativ verschlafenes Örtchen inmitten des ‘Maifeldes’ angucken, dieser äußerst fruchtbaren Hochebene am östlichen Eifelrand: Münstermaifeld.

Seltsamerweise schließt man vom jetzigen Eindruck auf Bedeutungslosigkeit, aber dem war nicht so. Hier war in der Antike eine römische Garnison stationiert und möglicherweise wurde dort ‘Caligula’ geboren, Agrippinas Bruder, der mal kurz Kaiser sein durfte ;-)

Schon von weitem sieht man einen eigenartigen festungsähnlichen ‘Turm’. Es ist das Westwerk der Kirche St. Martinus und St. Severus, der tatsächlich als Wachturm genutzt wurde. Die Kirche wurde im 11. Jahrhundert auf einem noch älteren Vorgängerbau errichtet und um 1400 fertiggestellt. Sie ist bis heute nur wenig verändert.

St. Martinus und St. Severus

Westwerk von St. Martinus und St. Severus, Münstermaifeld

Hier predigte einst Nicolaus Cusanus, ein Universalgelehrter des Mittelalters. Bekannt ist der Münstermaifelder Goldaltar, der um 1520 in Antwerpen erschaffen wurde. Die über und über vergoldeten Figuren stellen keine Massenware dar, sondern sind von besonderer Qualität (ein Foto hier).

Langsam erwacht Münstermaifeld aus seinem Dornröschenschlaf. Rund um den Kirchplatz wurden viele Häuser wunderschön renoviert. Aber es bleibt noch einiges zu tun. Einige Impressionen (‘klick’ macht groß):

- Eine kleine Karte mit Informationen zur Kirche hier -

- Bau- und Kunstgeschichte -

Sedum auf Mauer

Und jetzt geht’s hinunter an die Mosel nach Hatzenport (Fortsetzung folgt)

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Von Bad Breisig nach Sinzig

Zwischen Eisenbahnlinie und Rhein eingezwängt, von der B 9 durchzogen, liegt der Kurort Bad Breisig. Wenn man erst von der Hauptstraße rechtwinklig abgebogen ist, kann man schöne Spaziergänge am Rhein entlang machen (ich verlinke sie unten). Diesmal bogen wir Richtung ‘Berg’ ab und gewannen über Stufen und breite Serpentinenwege schnell an Höhe.

Stufenweg im Wald

Waldweg

Im Wald oberhalb von Bad Breisig

Es ging mühelos nach oben, immer wieder durch schöne Blicke auf den Rhein, Bad Breisig, Bad Hönningen und Schloss Arenfels unterbrochen.

Ein breit ausgewaschenes Bachtal führt bis nach oben, wo ein angenehm ebener Höhenweg die ‘Wanderung’ zum Spaziergang herunterstufte. Überall auf sonnigen Lichtungen blühte der rosa Fingerhut.

Dann kam Sinzig in Sicht; spitz lugte der Kirchturm hervor. Weit öffnet sich das Rheintal und gibt den Blick frei auf das Siebengebirge und das felsige Plateau des Erpeler Ley. Es war sommerlich warm an diesem 15. Juni 2014.

In Sinzig wollten wir eigentlich einen kleinen Nachmittagskaffee auf dem Kirchplatz einnehmen, aber schon von weitem schallte uns Musik und Lautsprecherlärm entgegen. Vor der alt-ehrwürdigen Kirche Budenzauber, Plastik-Hüpfburgen, Bierstände.

Schade, denn St. Peter ist ein besonderes, spätromanisches Juwel, eine der bedeutendsten Kirchenbauten im Rheinland. Die Farbgebung – lachsrot und strahlend weiß – ist original wieder hergestellt (ein Blick aufs Ganze).

St. Peter, Sinzig

St. Peter, Sinzig

Trotz des Kirmeslärms, der bis ins Innere drang, warfen wir noch einen Blick hinein. St. Peter hat eine bemerkenswerte Innenausstattung (Details). Kurios ist der ‘Tote Leichnam’, die Mumie des ‘Heiligen Vogts’ in der Taufkapelle. Sie lag im Dunkeln und ich las erst später, dass man dort das Licht anknipsen kann. Doch die mumifizierte Leiche, nur mit einem Lendentuch bekleidet, ist gut zu erkennen, trotz der Spiegelungen. Niemand weiß etwas Genaues; Herkunft und Identität werden für immer im Dunkeln bleiben. Wenn ich es recht überlege, sollte man sie vielleicht gar nicht zur Schau stellen.

Sinzig war übrigens im Mittelalter von Bedeutung. Kaiser Barbarossa hielt sich hier öfters in seiner Pfalz auf.

Weitere Wanderungen in dieser Gegend:

Von Bad Breisig nach Sinzig – im Herbst am Rhein entlang – Teil 1 - Teil 2

Von Sinzig nach Bad Breisig im Sommer – Teil 1Teil 2

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Entdeckungen im Vorgebirge (3) – Der Friedensweg

Wir setzten unsere kleine Wanderung von Alfter nach Bornheim fort (Teil  1 Alfter, Teil 2 Jüdischer Friedhof). Von Weitem schon hatte uns der Christus mit den ausgebreiteten Armen neugierig gemacht. Was die in Rio können, … ;-) Neugierig geworden, stiegen wir hoch, an etlichen beschrifteten Steinen vorbei, wo wir nur zustimmend nicken konnten. Es ist eine vom ‘Vorgebirgsrebellen’ Wilhelm Maucher privat gebaute und gestaltete Anlage, der Friedensweg (mehr Info hier und hier).

- Die kleinen Fotos können durch Anklicken vergrößert werden -

Noch ein paar schöne Ausblicke und dann ging’s hinunter nach Bornheim, begleitet von bedrohlich dunklen Wolken. Unten an der Kirche kann man wieder in die Stadtbahn Linie 18 einsteigen.

Vorgebirgsaussichten

Im Hintergrund die ‘Sieben Berge’

Vorgebirgsaussichten

Weit schweift der Blick Richtung Rheinebene

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